Vertebroplastie bei Wirbelfrakturen
Die Vertebroplastie ist ein minimalinvasiver perkutaner Eingriff, bei dem wir Knochenzement (PMMA) direkt in den Körper eines frakturierten Wirbels — lumbal (L1–L5) oder thorakal (T1–T12) — injizieren, um diesen zu stabilisieren und die Schmerzen zu lindern. Sie ist für Patientinnen und Patienten mit osteoporotischen oder pathologischen Wirbelfrakturen (durch Tumor oder Metastasen) gedacht, die nach 2–3 Wochen konservativer Behandlung mit Ruhe, Schmerzmitteln und häufig einem Stützkorsett weiterhin starke, einschränkende Schmerzen haben. In diesem Leitfaden erklären wir, was der Eingriff umfasst, wann er auf jeder Etage der Wirbelsäule angezeigt ist, wie der Tag der Operation abläuft und was danach zu erwarten ist, damit Sie in Ruhe und gut informiert entscheiden können.

Was ist die Vertebroplastie?
Die Vertebroplastie ist ein perkutanes Verfahren, bei dem wir unter Bildgebung eine Nadel oder einen Trokar durch den Pedikel des frakturierten Wirbels einführen und Knochenzement (Polymethylmethacrylat, PMMA) direkt in den Wirbelkörper injizieren. Der Zement härtet innerhalb weniger Minuten aus, stabilisiert die Mikrofrakturen und reduziert den Schmerz. Der Eingriff kann auf jeder thorakalen (T1–T12) oder lumbalen (L1–L5) Etage durchgeführt werden.
Im Gegensatz zur Kyphoplastie, bei der ein Ballon zunächst einen Hohlraum schafft und die Wirbelhöhe teilweise wiederherstellt, wird bei der Vertebroplastie der PMMA direkt und ohne Ballon eingebracht. Deshalb reservieren wir die Vertebroplastie für stabile Frakturen ohne wesentlichen Höhenverlust, bei denen Schmerzkontrolle und Stabilisierung im Vordergrund stehen. Bei Unsicherheit über die beste Option in Ihrem Fall können Sie einen Beratungstermin anfragen bei Dr. Ben Ghezala.
Symptome und Warnzeichen
Patientinnen und Patienten, die von einer Vertebroplastie profitieren können, berichten typischerweise über:
Wann ist die Vertebroplastie angezeigt?
Wie wird der Eingriff durchgeführt?
1.Präoperative Vorbereitung
Vor der Vertebroplastie überprüfen wir die MRT und, falls erforderlich, das CT, um zu bestätigen, dass die Fraktur frisch ist (Knochenmarködem) und für diese Technik geeignet. Wir kontrollieren die Gerinnung, passen die Medikation (insbesondere Antikoagulanzien) an und geben Anweisungen zum Nüchternsein. Wir klären offene Fragen und planen gemeinsam die Entlassung am selben Tag oder nach 24 Stunden, je nach Fall.
2.Während des Eingriffs
Die Patientin oder der Patient wird in Bauchlage gelagert. Die Vertebroplastie wird üblicherweise unter Lokalanästhesie mit Sedierung durchgeführt; in einzelnen Fällen wählen wir eine Vollnarkose. Unter kontinuierlicher Durchleuchtung führen wir einen oder zwei feine Trokare durch den Pedikel in den Wirbelkörper ein. Auf lumbalen Etagen (L1–L5) ist der Pedikel breiter und der Zugang unkompliziert; auf hohen thorakalen Etagen (T1–T8) nutzen wir einen extrapedikulären Zugang, wenn der Pedikel sehr klein ist. Nach korrekter Lage der Trokare injizieren wir den PMMA-Zement unter strenger Bildkontrolle, um Austritte zu vermeiden. Der Eingriff dauert 30 bis 60 Minuten pro Etage und erfordert keinen chirurgischen Schnitt — nur zwei kleine Hautpunktionen.
3.Unmittelbare Phase nach dem Eingriff
Nach dem Eingriff bleibt die Patientin oder der Patient 1 bis 2 Stunden liegen, damit der Zement vollständig aushärten kann. Danach erfolgt das Aufrichten und die ersten Schritte unter Aufsicht. Die meisten Patienten verspüren bereits in den ersten Stunden eine deutliche Schmerzlinderung. Die Entlassung erfolgt meist am selben Tag oder innerhalb von 24 Stunden, je nach Ausgangssituation und Schmerzkontrolle.
Genesung nach Vertebroplastie
Die Genesung ist im Vergleich zu einer offenen Operation rasch. Die meisten Patienten gehen noch am selben Tag und nehmen den Alltag innerhalb weniger Tage wieder auf.
In den ersten 2–4 Wochen bitten wir, starke Belastungen, schweres Heben und abrupte Wirbelsäulenbeugungen zu vermeiden. Bei Osteoporose ist die zugrunde liegende medizinische Behandlung (Kalzium, Vitamin D, antiresorptive oder anabole Medikamente) entscheidend, um neue Frakturen auf anderen Etagen zu vermeiden. Bei onkologischen Patienten stimmen wir das Vorgehen mit dem Onkologie- und Strahlentherapieteam ab.
Bei wiederkehrenden Schmerzen, Fieber, Beinschwäche oder neuen neurologischen Veränderungen ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich.
Risiken und mögliche Komplikationen
Jeder Eingriff birgt allgemeine Risiken wie Infektion, Blutung, Reaktion auf die Anästhesie oder kardiopulmonale Komplikationen.
Das charakteristischste Risiko der Vertebroplastie ist der Zementaustritt außerhalb des Wirbelkörpers. Die meisten Austritte sind klein und symptomlos, in seltenen Fällen können sie jedoch Venen, Bandscheibe, Spinalkanal oder Foramen betreffen und Schmerzen, Nervenwurzelreizung oder, ausnahmsweise, eine pulmonale Zementembolie verursachen. Weitere mögliche Risiken sind Rippen- oder Pedikelfrakturen beim Zugang, neurologische Verletzungen und neue Wirbelfrakturen in benachbarten Etagen aufgrund der zugrunde liegenden Knochenfragilität. Wir bewerten jeden Fall individuell und besprechen die Risiken ausführlich vor der Entscheidung.
Häufig gestellte Fragen
Weitere verwandte Behandlungen
Erkennen Sie sich in diesen Symptomen wieder?
Wenn einige dieser Symptome auf Ihre Situation zutreffen und der Schmerz Ihren Alltag zunehmend einschränkt, können wir Ihren Fall in einer individuellen Beratung beurteilen. Dr. Ben Ghezala wird Ihre Krankengeschichte und Ihre Bildgebung prüfen, um gemeinsam mit Ihnen die beste Behandlungsoption zu wählen.
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