Fortgeschrittene Operationsverfahren und TechnologienMinimalinvasive Chirurgie

Intraoperatives neurophysiologisches Monitoring

Das intraoperative neurophysiologische Monitoring (IONM) ist ein Sicherheitsverfahren, das die Funktion des Rückenmarks und der Nerven während der gesamten Operation überwacht. Mit motorisch evozierten Potenzialen (MEP), somatosensorisch evozierten Potenzialen (SSEP) und Elektromyographie (EMG) werden Veränderungen in Echtzeit erkannt – bevor sie zu einer dauerhaften Schädigung werden. Patientinnen und Patienten vor komplexen Halswirbelsäulen-Eingriffen, Deformitätskorrekturen, Rückenmarksdekompressionen oder Tumorresektionen fragen häufig, wie Rückenmark und Nerven während der Operation geschützt werden. Das IONM ist Teil dieser Antwort. Dieser Leitfaden erklärt realistisch, was das neurophysiologische Monitoring ist, wann es eingesetzt wird, wie es während der Operation abläuft und was ein intraoperativer Alarm bedeutet.

Wirbelsäulen-Neurochirurg in Alicante und Benidorm
Über 20 Jahre Erfahrung in der Neurochirurgie (seit 2003)
Hospital Vithas Medimar Alicante und Hospital Clínica Benidorm
Illustration des intraoperativen neurophysiologischen Monitorings: Elektroden an Kopfhaut und Extremitäten, Neurophysiologe überwacht MEP- und SSEP-Signale am Bildschirm.

Was ist das intraoperative neurophysiologische Monitoring?

Das intraoperative neurophysiologische Monitoring (IONM) umfasst Verfahren, mit denen die Funktion von Rückenmark, Nervenwurzeln sowie motorischen und sensorischen Bahnen in Echtzeit während der gesamten Operation erfasst wird. Drei Hauptverfahren kommen zum Einsatz: motorisch evozierte Potenziale (MEP) zur Beurteilung der motorischen Bahn, somatosensorisch evozierte Potenziale (SSEP) zur Beurteilung der sensorischen Bahnen sowie spontane und stimulationsgetriggerte Elektromyographie (EMG), die eine Reizung oder einen Kontakt mit bestimmten Nervenwurzeln anzeigt.

Das IONM ersetzt nicht die chirurgische Beurteilung, fungiert aber als Frühwarnsystem: Fällt ein Signal unter einen definierten Schwellenwert, kann das Team das Vorgehen anpassen, die Traktion lösen, die Instrumentierung überprüfen oder die Strategie ändern, bevor ein dauerhafter Schaden entsteht. Besonders sinnvoll ist es bei Eingriffen mit Rückenmarksbeteiligung wie der Dekompression bei zervikaler Myelopathie, bei Deformitäten, intramedullären Tumoren und komplexen Dekompressionen. Für die Beurteilung, ob Ihre Operation davon profitiert, können Sie einen Beratungstermin anfragen bei Dr. Ben Ghezala.

Bei welchen Operationen wird das Monitoring eingesetzt?

Das IONM gilt bei Eingriffen mit relevantem neurologischem Risiko als Standard. Es wird unter anderem in folgenden Situationen eingesetzt:

Eingriffe an der Halswirbelsäule mit Rückenmarksbeteiligung (Myelopathie, mehrsegmentale Stenose, Korpektomie)
Resektion intramedullärer oder intraduraler Tumoren des Rückenmarks und der Nervenwurzeln
Korrektur von Wirbelsäulendeformitäten (Skoliose, Kyphose, Erwachsenenskoliose)
Dekompressionen im thorakalen Bereich und Eingriffe am kraniozervikalen Übergang (C0-C2, Chiari)
Stabilisierung instabiler Frakturen mit Risiko für Rückenmarks- oder Nervenwurzelverletzung
Einbringung von Pedikelschrauben in anatomisch schwierigen Bereichen

Wann ist das Monitoring angezeigt?

Risiko einer Rückenmarksverletzung durch Kompression, Manipulation oder Wirbelsäulenkorrektur
Eingriffe in der Nähe kritischer Nervenwurzeln, bei denen eine Verletzung erhebliche funktionelle Folgen hätte
Eingriffe in lang anhaltenden Lagerungen mit Halstraktion oder Flexions-Extensionsstellung
Revisionseingriffe mit durch Voroperationen veränderter Anatomie
Patienten mit vorbestehendem neurologischem Defizit, bei denen jede Verschlechterung früh erkannt werden muss

Wie wird das Monitoring durchgeführt?

1.Präoperative Vorbereitung

Vor der Operation prüft der Neurophysiologe die Anamnese, die Bildgebung und den neurologischen Befund, um festzulegen, welche Modalitäten (MEP, SSEP, spontane EMG, getriggerte EMG) eingesetzt und wo die Elektroden platziert werden. Das Anästhesieprotokoll wird mit der Anästhesie abgestimmt, da bestimmte Medikamente – vor allem volatile Anästhetika und Muskelrelaxanzien – die Signale stören können. In der Regel wird eine totale intravenöse Anästhesie (TIVA) eingesetzt, um die MEP zu erhalten.

2.Während des Eingriffs

Nach der Narkoseeinleitung werden Elektroden an Kopfhaut, gezielten Muskeln der Extremitäten und je nach Fall an speziellen Stellen wie Analsphinkter oder peripheren Nerven angebracht. Der Neurophysiologe legt vor Operationsbeginn eine Baseline fest und überwacht die Signale anschließend kontinuierlich. Fällt die Amplitude signifikant ab oder steigt die Latenz über die Alarmschwellen, wird dies dem Operationsteam sofort mitgeteilt, damit gegengesteuert werden kann: Traktion lösen, Implantat entfernen oder umsetzen, Blutdruck anpassen, auf Erholung des Signals warten oder die Strategie ändern.

3.Unmittelbare Phase nach der Operation

Am Ende der Operation erfolgt eine abschließende Kontrolle der Signale, um einen stabilen Verlauf beim Verschluss zu bestätigen. Die Elektroden werden vor dem Aufwachen entfernt; sobald der Patient wach ist, erfolgt eine orientierende neurologische Untersuchung, die mit dem präoperativen Befund verglichen wird. Die vollständige Aufzeichnung des Monitorings wird im Operationsbericht dokumentiert und ist Teil der Falldokumentation.

Was es für die Genesung bedeutet

Das Monitoring selbst verlängert die Erholungszeit nicht: Die Elektroden werden am Ende des Eingriffs entfernt und hinterlassen, abgesehen von kleinen Hautmarken oder leichten Beschwerden an den Einstichstellen, keine Folgen. Der Nutzen liegt in der Gesamtsicherheit: Der Patient erwacht mit dem Wissen, dass Rückenmark und Nervenwurzeln während der gesamten Operation überwacht wurden und ein eventueller Alarm rechtzeitig behoben wurde, bevor es zu einem Defizit kam.

Kam es intraoperativ zu Veränderungen, die sich erholt haben, gibt dies dem postoperativen neurologischen Verlauf zusätzliche Orientierung. Rehabilitation, Wiederaufnahme der Arbeit und bildgebende Verlaufskontrollen richten sich nach dem jeweiligen Haupteingriff (zervikal, thorakal, lumbal oder Deformitätschirurgie).

Grenzen und mögliche Nachteile

Das neurophysiologische Monitoring ist sehr sicher. Lokale Nachteile sind gering: Hämatome oder Beschwerden an den Elektrodenstellen und – sehr selten – Zungen- oder Lippenverletzungen durch die Muskelkontraktionen bei den MEP (wird mit Beißschutz vermieden).

Interpretativ ist das Verfahren nicht unfehlbar. Es gibt falsch positive Befunde (Signalabfall ohne tatsächliche Schädigung durch Hypotonie, Hypothermie oder Anästhesieeinflüsse) und falsch negative Befunde (Schädigungen ohne deutlichen Alarm, insbesondere in nicht überwachten Bereichen). Das IONM wird daher immer im klinischen Kontext und nicht isoliert beurteilt. Zudem verfügen nicht alle Zentren über die nötige Ausstattung und das geschulte Personal für den routinemäßigen Einsatz.

Häufig gestellte Fragen

Bei Eingriffen mit geringem neurologischem Risiko kann es entbehrlich sein. Bei Eingriffen mit Rückenmarksbeteiligung, Deformitäten, Tumoren oder komplexen Dekompressionen gilt es als Sicherheitsstandard und wird routinemäßig eingesetzt. Der Chirurg entscheidet im Einzelfall, ob es angezeigt ist.
Das Monitoring wird von einem Neurophysiologen oder einem spezialisierten Techniker unter dessen Aufsicht durchgeführt, der während der gesamten Operation im OP anwesend ist. Es handelt sich um eine zusätzliche Rolle neben Chirurgen und Anästhesist, die ausschließlich der Signalinterpretation und der Kommunikation eventueller Veränderungen dient.
Ein Alarm bedeutet nicht zwangsläufig eine Schädigung, sondern dass sich die Signale verändert haben. Das Team prüft mögliche Ursachen: zu starke Traktion, niedriger Blutdruck, Lagerung, Instrumentierung oder Anästhesieeinflüsse. Reversible Faktoren werden korrigiert, und vor dem Weitermachen wird die Erholung des Signals abgewartet. Erholt es sich nicht, kann die operative Strategie geändert werden.
Die Elektroden werden vor dem Aufwachen entfernt. Allenfalls bemerken Sie kleine Hautmarken oder leichte Beschwerden an den Einstichstellen, die innerhalb weniger Tage abklingen.
Nein. Das IONM reduziert das Risiko, schließt es aber nicht aus. Falsch negative Befunde sind möglich, und nicht jeder Bereich kann zu 100% überwacht werden. Es ist Teil eines Sicherheitskonzepts zusammen mit Operationstechnik, Anästhesie und präoperativer Planung.
Bei einer Standard-Mikrodiskektomie der Lendenwirbelsäule ist es in der Regel nicht erforderlich. Eingesetzt wird es, wenn ein Bandscheibenvorfall eine zervikale Myelopathie verursacht, bei thorakalen Vorfällen mit Rückenmarksbeteiligung oder wenn weitere neurologische Risikofaktoren vorliegen.

Erkennen Sie sich in diesen Symptomen wieder?

Wenn einige dieser Symptome auf Ihre Situation zutreffen und der Schmerz Ihren Alltag zunehmend einschränkt, können wir Ihren Fall in einer individuellen Beratung beurteilen. Dr. Ben Ghezala wird Ihre Krankengeschichte und Ihre Bildgebung prüfen, um gemeinsam mit Ihnen die beste Behandlungsoption zu wählen.

Beratungstermin mit Dr. Ben Ghezala anfragen